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folder.gif02 Die Initiative Schmetterlingskinder

Im Jahr 1997 verlor Monika Liebner ihren Sohn Paul in der 15. Schwangerschaftswoche durch einen medizinisch initiierten Schwangerschafsabbruch. Er hätte die Schwangerschaft und die Geburt nicht überlebt.

Allein gelassen in ihrer Trauer programmierte sie eine der ersten Homepages zum Thema in dem damals noch als ganz “neues Medium” bekannte Internet. Die Geschichte ihres kleinen Sohnes berührte zahlreiche Menschen und als die E-Mails, die Monika als Reaktion darauf bekam, immer zahlreicher wurden, gründete sie unter dem Namen “Glücklose Schwangerschaft” das erste deutsche Internetforum zum Thema. Eine Plattform, auf der sich ebenfalls betroffene Eltern miteinander austauschen und in ihrer Trauer stützen konnten.

Im Jahr 1999 verlor die Heilpraktikerin Birgit Zart ihren Sohn Jannik in der 23. Schwangerschaftswoche. Überwältigt von ihrer Trauer um ihr fünftes Kind, das sie so viel zu früh hatte gehen lassen müssen und sprachlos ob des unmenschlichen Umgangs, der ihr zum Teil in Klinik und mit Menschen in ihrem Umfeld widerfahren war, begann sie, an die Öffentlichkeit zu gehen. Während dieser Arbeit fand sie auch ihren Weg in das Forum der glücklosen Schwangerschaft und mit ihr zog ein neuer Kampfeswillen in die Gemeinschaft ein.

Aus dem reinen “Forum” schien nun eine Art Trauergruppe geworden zu sein. Schon Ende des Jahres 1999 veranstaltete Birgit Zart die ersten Trauerseminare für ihre Forumsfreundinnen - und die aktive Arbeit in der Trauerhilfe begann.

Im Jahr 2002 wurde der Name des Forums von “Glücklose Schwangerschaft” in die Schmetterlingskinder umbenannt, da die Initiative Regenbogen e.V. den Begriff “glücklose Schwangerschaft” für sich beanspruchte. Den neuen Namen wählte Monika, da sie sich all die kleinen Sternenkinder gerne als fröhliche, kleine Schmetterlinge vorstellte, die um uns herum flattern.

Das Forum wuchs und wuchs, neben den Trauerseiten entstanden viele anderen Seiten, die in allen Lebenslagen Hilfe boten. Die Trauerseiten jedoch blieben und boten immer mehr Menschen einen Platz, um sich über die Trauer über ihre Sternenkinder auszutauschen.

Durch zahlreiche Bewegungen anderer Initiativen und auch durch zahlreiche Frauen, die wie Monika und Biggi an die Öffentlichkeit gingen, wurde in den letzten Jahren viel im Umgang mit Sternenkindern und deren Eltern verbessert.

Früher noch wurden tote Babys per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Ihre Eltern bekam sie nie zu Gesicht. Sie wurden, wenn sie klein waren, mit dem Organabfall “entsorgt” oder bestenfalls anonym bei einem wahllosen erwachsenen Verstorbenen beigelegt. Würde und Pietät waren ein Fremdwort im Bezug auf verstorbene Babys, die das Licht der Welt nie oder nur sehr kurz hatten erblicken dürfen.

Heute werden fast alle Babys beerdigt, egal wann sie gestorben sind. Die meisten großen und auch immer mehr kleinere Kliniken organisieren alle drei Monate Sammelbestattungen und setzen die kleinen Sternenkinder in anonymen Sternschnuppengrabfeldern bei und veranstalten liebevolle Trauerfeiern, um den verwaisten Eltern ihr Leid erträglicher zu machen.

Heute haben die meisten der deutschen Kliniken auch zumindest ansatzweise begriffen, wie wichtig für den weiteren Trauerprozess es für die Eltern ist, sich von ihrem Kind verabschieden zu können - in Ruhe und Würde. Babys werden ab der 14. Woche immer geboren, denn nur so kann man das Geschehene verarbeiten. In den meisten Kliniken dürfen die Eltern ihre Kinder sehen, halten... kennenlernen und verabschieden.

Andere Initiativen haben den Umgang maßgeblich verbessert, indem sie Moseskörbchen und kleine Karten in den Kliniken verteilten, dem Pflegepersonal klar machten, wie wichtig (schöne!) Fotos sind, Hand- und Fußabdrücke und ein sanfter Abschied.

Dennoch gibt es leider immer noch viele Kliniken, die sich dem gegenüber versperren. Und auch in jenen Kliniken, die aufgeschlossen sind, muss oft noch viel getan werden, denn die meisten Hebammen und Ärzte sind sich verständlicherweise nicht über die Bedürfnisse und die Gefühle von Sternenkindeltern bewusst.

Durch die im Jahr 2009 entstandende Klinikaktion “Kleidung für Sternenkinder” der Initiative Schmetterlingskinder ist eine weitere Möglichkeit entstanden, diese Anliegen in die deutschen Kliniken zu tragen, das Gespräch mit den Verantwortlichen zu suchen und sie weiter zu sensibilisieren.

Wir versuchen, den Eltern das abzunehmen, was die wenigsten in der akuten Schocksituation zu leisten vermögen. Wir versuchen, ihnen bleibende Erinnerungen zu schaffen und vor allem die Möglichkeit zu geben, ihr Kind in Würde zu verabschieden und zu bestatten.

Menschen werden bekleidet. Auch durch diesen Gedankenansatz helfen wir, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass selbst ein noch so winziges Baby bereits ein MENSCH ist.

Menschliches Leben beginnt für unser Gesetz eigentlich dann schon, wenn Eizelle und Samen verschmolzen sind. Wieso sollte man einem Baby nicht genau das gleiche Recht zugestehen und es wie einen Menschen behandeln?

Die Initiative Schmetterlingskinder wird gemeinsam mit dem Verein Frauenworte e.V. auch weiterhin für einen besseren Umgang und ein gestärktes Bewusstsein für die trauernden Eltern kämpfen. Für jede Hand, die uns hierbei hilft, sind wir dankbar - und werden all jene dankbar sein, die nach uns in eben jene traurige Situation kommen, in der wir selbst gewesen sind und aus welcher Erfahrung unsere Bemühungen entstanden sind und weiterhin bestehen werden.

 

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